Der Vorsatz der SWW Wunsiedel GmbH für das neue Jahr steht zweifelsfrei fest: den Menschen im Versorgungsgebiet eine regenerative und zugleich autarke Energieversorgung bieten, die noch dazu einen Beitrag zur CO2-Reduzierung liefert. Ein Ziel, das bereits beim Neujahrsempfang der Stadt Wunsiedel durch Bürgermeister Karl-Willi Beck erstmals vorgestellt wurde, und das nun durch die heute neu gegründete „WUN-Bioenergie GmbH“ konkrete Gestalt annimmt.
Ausschließlich heimisches Fichtelgebirgs-Holz wird das Biomasse-Heizkraftwerk mit angeschlossener Pelletsproduktion, das in Zusammenarbeit mit der GELO-Holzwerke GmbH, Weißenstadt, im Jahr 2010 in Wunsiedel gebaut wird, als Rohstoff verarbeiten. Dadurch wird nicht nur auf fossile Energieträger verzichtet, sondern auch aktive Wertschöpfung für die Region betrieben. Schließlich sei laut SWW-Geschäftsführer Marco Krasser die regionale Effizienz der entscheidende Maßstab des zukunftsweisenden Projekts: „Wir haben uns zum Ziel gesetzt, Energie aus der Region für die Region zu schaffen. Darum soll die Wertschöpfung aus Strom und Wärme in erster Linie vor Ort zum Einsatz kommen.“
Doch nicht nur die künftig erzeugte Energie, auch einen möglichst großen Teil der geplanten Investitionssumme von rund zehn Millionen Euro will die WUN-Bioenergie GmbH an heimische Unternehmen abgeben und damit vor allem die regionale Wirtschaft beleben. Ein Wunsch, der zudem durch die Schaffung neuer und die Sicherung bestehender Arbeitsplätze erfüllt werden soll, wie zum Beispiel bei Zulieferern und beteiligten Gewerken in punkto Holzlogistik oder im Hinblick auf die heimische Forstwirtschaft.
Regionale „Teamarbeit“ erhoffen sich alle Beteiligten außerdem für eine mögliche Erweiterung der neuen GmbH. So ist man für eine Zusammenarbeit mit weiteren Partnern jederzeit offen und würde sich beispielsweise über Kooperationen mit regionalen Gemeinden sehr freuen. Schließlich verfolgen diese das gleiche Ziel, eine effiziente und zukunftsweisende Energieversorgung, von der zu hundert Prozent die Menschen vor Ort profitieren. Es gilt regionale Netzwerke zu knüpfen.
Maximaleffiziente Rohstoffverwertung
Basis des innovativen Kooperationsmodells ist die komplette Verwertung des Rohstoffs Holz, den GELO aus den Wäldern des Fichtelgebirges gewinnt. Mit jährlich rund 250.000 Festmetern Einschnitt und modernster Sägewerkstechnik zählt das Weißenstädter Werk zu den 50 größten und renommiertesten Holzverarbeitungsbetrieben Deutschlands und „produziert“ daher auch eine Menge so genannter Sägenebenprodukte.
Circa 180.000 Schüttraummeter an Sägespänen fallen so pro Jahr an, die sich – im Rahmen eines cleveren Konzeptes – ideal für die Herstellung von Pellets zu Heizzwecken eignen.
Das Prinzip: Waldrestholz in Form von Hackschnitzeln aus heimischen Wäldern, das beim Forsten anfällt, ist der Brennstoff für das künftige Biomasse-Heizkraftwerk, das sowohl Strom als auch Wärme erzeugen wird. Sämtliche elektrische Energie, genauer gesagt sechs Millionen Kilowattstunden Strom, wird in des öffentliche Stromnetz eingespeist und so den Kunden der SWW Wunsiedel zur Verfügung gestellt, die auf diesem Weg sozusagen mit „heimischer“ und zugleich regenerativer und umweltschonender Energie versorgt werden.
Das Besondere: Auch die gesamte anfallende Wärme, die bei der Stromerzeugung sozusagen als „Nebenprodukt“ entsteht, wird restlos genutzt. Dank dieser Trocknungswärme können aus den Spänen, die bei GELO jährlich anfallen, hochwertige Pellets hergestellt werden. Ein zukunftsweisender Heizstoff, der nach Vorstellung der neu gegründeten WUN-Bioenergie GmbH nur zu einem kleinen Teil auf dem freien Markt angeboten werden soll. Vielmehr ist mit den selbst produzierten Pellets die Versorgung öffentlicher Gebäude oder so genannter Dorfheizungen, also zentraler Heizanlagen für kleinere Gemeinden, geplant. So genannte „Contracting“-Modelle, bei denen Endverbraucher in der Region von der SWW Wunsiedel GmbH sowohl die entsprechende Technik, als auch den Brennstoff, also die Pellets erhalten, aber nur die verbrauchte Wärme bezahlen, haben bei den Zielen der neuen Gesellschaft eine hohe Priorität.
Die neue Gesellschaft, die konsequent als PPP-Projekt entwickelt wurde, ist damit auch nach Auffassung der IHK Bayreuth sowohl vom technischen Ansatz her, als auch von der Gesellschafterkonstellation ein absolutes Leuchtturmprojekt für Oberfranken.
Nach Angaben der beiden Geschäftsführer der neuen Gesellschaft WUN Bioenergie GmbH Marco Krasser und Wolf Christian Küspert soll das Wunsiedler Kraftwerk Strom produzieren, mit dem rein rechnerisch 2000 Durchschnittshaushalte versorgt werden können. Die Pellets, die in Wunsiedel einmal produziert werden, würden ausreichen, um 2500 Haushalte mit Wärme zu versorgen.